Diese Nasdaq-Tricks gehen zu weit!
Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,
jeder Aktienindex ist so gut, wie die zugrunde liegenden Indexregeln, für die es keine einheitlichen Standards gibt. So entscheidet beispielsweise ein nicht näher spezifiziertes Indexkomitee unseres Champions S&P als Inhaber subjektiv über die Zusammensetzung des Dow-Jones-Index. (Bei diesem kurioserweise kursgewichteten Index haben höhere Aktienkurse ein höheres Gewicht als niedrige, was dennoch seit 130 Jahren gut funktioniert).
Im Gegensatz dazu hatte der Champions-Kollege Nasdaq ganz klare Regeln für den Nasdaq 100, die nun aber im Vorfeld des Monster-IPOs von SpaceX regelrecht pulverisiert wurden. Konkret:
Bislang musste eine Neu-Emission drei Monate bzw. 63 Handelstage an der Börse notiert sein, bevor eine Indexaufnahme möglich war. Jetzt ist die Aufnahme schon nach 15 Handelstagen möglich, sofern das Unternehmen nach Marktkapitalisierung zu den Top 40 des Nasdaq 100 zählt. Dazu kommt:
In der Vergangenheit war ein Streubesitz (Free Float) von mindestens 10% des Kapitals Grundvoraussetzung für die Indexaufnahme, und diese Hürde wurde ersatzlos gestrichen. Bei einem Free Float von weniger als 20% kann die Streubesitz-Marktkapitalisierung von der Nasdaq nun ganz einfach mit dem Faktor 3 multipliziert werden! Das bedeutet:
Mit einem tatsächlichen Streubesitz von nur 4,3% wäre SpaceX die Aufnahme in den Nasdaq 100 verwehrt gewesen. Der neu erfundene Multiplikator macht aus 4,3% aber schwuppdiwupp 12,9% Streubesitz, womit der Free Float von 89 Milliarden Dollar auf theoretische 267 Milliarden Dollar katapultiert wurde, und schon konnte SpaceX in den Nasdaq 100 aufgenommen werden. Die Konsequenz aus allem:
Während Alt-Aktionären rund um Elon Musk eine ungewöhnlich schnelle und dank notgedrungener institutioneller Milliardenkäufe auch lukrative Ausstiegsmöglichkeit auf dem Silbertablett präsentiert wird, sind passive Indexfonds/ETFs gezwungen die über Jahre hinweg unprofitable Aktie zu kaufen — in einem Umfang, der dem Dreifachen der tatsächlichen Marktkapitalisierung entspricht! Dabei droht diese Blaupause auch bei den anstehenden IPOs von OpenAI und Anthropic zur Anwendung zu kommen, was nicht im Sinne von Millionen ETF(Sparplan)-Anlegern rund um den Globus sein kann. Dazu bemerkenswerte Worte vom Investmentchef von M.M. Warburg & CO: „Die Nasdaq wird vermutlich noch den Tag verfluchen, an dem sie vor Musk und Co einen Kotau gemacht hat. Passives Investieren ist seit über drei Jahrzehnten eine gewaltige globale Erfolgsgeschichte. Wenn jetzt Indexanbieter anfangen, Indizes mit Taschenspielertricks zu manipulieren, bekommen wir alle aber ein Problem.“ Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen ...
Alle kapitalisierungsgewichteten Indizes beinhalten Konzentrationsrisiken, die zu überdurchschnittlichen Indexrückgängen führen werden, wenn den wenigen Top-Werten einmal die Puste ausgeht. So haben allein unsere beiden Super-Champions Nvidia und Apple ein Gewicht von 10% im MSCI World (der 1283 Aktien enthält), und im Nasdaq 100 sind es 16%! Wenn jetzt aber auch noch durch Regeländerungen einzelne Aktien in die Indizes gedrückt werden, die dort noch nichts zu suchen haben und dann ein Gewicht erhalten, das allein vom Indexbetreiber bestimmt wird, dann wird jedes Indexinvesting ad absurdum geführt. Gut, dass es den transparenten und regelbasierten boerse.de-Technologiefonds gibt ...
Qualität gewinnt langfristig immer!
Mit bullishen Grüßen
Ihr
Thomas Müller
